Was ist eine Liquiditätsplanung?

Eine Liquiditätsplanung ist die Gegenüberstellung von Einzahlungen und Auszahlungen über die Zeitachse, also von tatsächlichen Zugängen und Abgängen an liquiden Mitteln, die dem Unternehmen zugehen oder abgehen, im Ergebnis die Planung des Liquidität auf Tagesbasis, Wochenbasis, Monatsbasis.

Im Unterschied dazu Einnahmen und Ausgaben:

  • Eine durch Rechnungsstellung entstehende Forderung ist eine Einnahme. Die Einzahlung erfolgt bei Zahlungseingang (Zahlungsmittelzugang).
  • Eine durch Rechnungszugang entstehende Verbindlichkeit ist eine Ausgabe. Die Auszahlung erfolgt bei Zahlungsausgang (Zahlungsmittelausgang).

Deckung Liquiditätsüberschuss, -unterdeckung durch Kontokorrentkredite, Delkrederelinien, sonstige Kredite.

Planung, Steuerung, Überwachung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens

  • im Kurzfristbereich bis zu einem Jahr erfolgen analog zur operativen Planung mittels Liquiditätsplanung,
  • im Mittel-, Langfristbereich von zwei bis fünf Jahren mittels Finanzplanung.

Praxis-Tipp: Großzügige Liquiditätsreserve einplanen.

Datenquellen zur Planung, Fortschreibung sind in erster Linie:
Kontoauszüge, Kassenbestand zur Ermittlung Zahlungsmittelbestand per Stichtag (Anfangsbestand)

  • Finanzbuchhaltung – Kontenschreibungen, Finanzkonten, Betriebswirtschaftlicher Auswertung (BWA), Summen-, Saldenlisten,
  • Debitorenbuchhaltung, OP-Liste Debitoren,
  • Kreditorenbuchhaltung, OP-Liste Kreditoren,
  • Personalbuchhaltung,
  • Kredit-, Darlehensverträge.

Was sind Einzahlungen in einer Liquiditätsplanung?

Einzahlungen stammen zum Beispiel aus

  • Brutto-Umsatzerlösen (in der Regel 80 – 90 Prozent der Einzahlungen) entsprechend vereinbartem (durchschnittlichem) Debitorenzahlungsziel,
  • Veräußerung Anlage-, Umlaufvermögen,
  • Gesellschaftereinlagen, -darlehen,
  • Auflösung Festgelder, Wertpapierdepots,
  • Miet-, Pachterträgen,
  • Lizenzerträgen,
  • Zins-, Dividendenerträgen,
  • Steuererstattungen.
Sinnvoll sind Analysen, Vergleiche zu
  • Umsätzen, Umsatzentwicklung Vorjahre,
  • Reichweite vorliegender Aufträge,
  • Auftragseingang,
gegebenenfalls ergänzt beispielsweise durch
  • Kundenbefragungen wichtiger Kunden zu Kaufverhalten,
  • Branchenentwicklung, Branchentrends,
  • Kaufzusagen Großkunden,
  • Berücksichtigung Produktlebenszyklen,
  • Geschäftsentwicklung Wettbewerber,
  • Befragung Lieferanten, Banken.

Was sind Auszahlungen in einer Liquiditätsplanung?

Dies sind zum Beispiel Zahlungen aus

  • Materialeinkäufen entsprechend vereinbartem (durchschnittlichen) Kreditorenziel,
  • Fremdleistungseinkäufen,
  • Personalzahlungen (vor allem Löhne, Gehälter, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Prämien, Tantiemen, gegebenenfalls Abfindungen; weiter unter anderem Sozialabgaben, Berufsgenossenschaft, Weiterbildungskosten, freiwillige Sozialaufwendungen); hierbei Personal-Ein-, Austritte, Tariferhöhungen, Erhöhungen bei außertariflichen Mitarbeitern (AT) berücksichtigen;
  • sonstiger betrieblicher Aufwand
    • Raumkosten, Reinigung, Reparaturen, Instandhaltungen,
    • Rechts-, Beratungskosten,
    • Miete, Pacht, Leasing,
    • Lizenzen,
    • Strom, Heizung, Wasser,
    • Büromaterial, Porto, Telefon,
    • Kosten der Warenabgabe (Verpackung, Fracht, Versicherung),
    • Versicherungen, Beiträge, Gebühren, Abgaben,
    • Kfz-Kosten (ausgenommen Kfz-Steuern),
    • Werbe-, Reisekosten,
    • Bewirtungen, Geschenke,
    • Spenden, Zuwendungen,
    • Verluste aus Abgang AV,
  • Zinsen und ähnliche Aufwendungen,
  • Sonstige Steuern,
  • Tilgungen,
  • Entnahmen,
  • Investitionen,
  • Umsatzsteuer-Zahllast,
  • Steuervorauszahlungen,
  • Steuernachzahlungen.

Teilpläne sind

  • Absatzplan, Preisplanung,
  • Kapazitäts-, Auslastungsplanung,
  • Materialaufwandsplanung,
  • gegebenenfalls Beschaffungsplan, Produktionsplan,
  • Personalplan, Personalkostenplan,
  • Sachmittelplan,
  • Kostenplanung, Budgetplanung,
  • Investitionsplan,
  • Finanzierungsplan mit Zinszahlungsplan, Tilgungsplan,
  • Steuerplanung.

Für integrierten Plan zusätzlich

  • Abschreibungsplan.

Nicht zahlungswirksam sind

  • Abschreibungen,
  • Kalkulatorische Kosten,
  • Zuführung zu Rückstellungen,
  • Auflösung von Rückstellungen,
  • Gewinn-, Verlustvortrag.

Praxis-Tipp: Zu Grunde liegenden Prämissen müssen plausibel, nachvollziehbar, überprüfbar sein. Sorgfältig dokumentieren!

Was ist ein integrierter Finanzplan eines Unternehmens?

Ein integrierter Finanzplan eines Unternehmens beinhaltet und verknüpft

  • Ertragsplanung (Gewinn- und Verlustplanung, kurz GuV),
  • Bilanzplanung (Vermögens- und Schuldenplanung),
  • Liquiditätsplanung (liquiditätswirksame Ein- und Ausgaben einer Finanzplanung, also die Ein- und Auszahlungen).

Beim Planen fließen die Ergebnisse mehrere Detailpläne ein, unter anderem die

  • geplanten Erlöse aus der Absatz- und Umsatzplanung, sowie entsprechenden Materialkosten,
  • zukünftigen Personalkosten aus der Personalplanung,
  • Afa aus Abschreibungsplanung und Investitionsplanung,
  • Zinsen und Tilgungen aus der Finanzierungsplanung.

Wie erfolgt die Erstellung eines integrierten Finanzplans (Ertragsplanung, Bilanzplanung, Liquiditätsplanung)?

Vorgehensweise zum Erarbeiten einer integrierten Finanzplanung:

  • Planungszeitraum festlegen,
  • meistens aktuelles Geschäftsjahr und drei weitere Planjahre; bei Unternehmensbewertungen, Investitionsbetrachtungen und neuen, strategischen Ausrichtungen fünf Planjahre),
  • bei Prüfungen auf Zahlungsunfähigkeit im Mindesten drei bis sechs Monate über die Dreiwochenfrist hinaus,
  • bei Prüfungen auf drohende Zahlungsunfähigkeit und oder Überschuldung im Mindesten das aktuelle und das folgende Geschäftsjahr.
  • Planungsprämissen für Plan-GuV und Plan-Bilanz definieren,
  • Mengen-, Wertegerüste von Geschäften, Produkten und Leistungen für jede Gesellschaft erarbeiten,
  • Ertragsplanung (Gewinn- und Verlustplanung) nach Monaten auf Basis der Mengen-, Wertegerüste;
  • Bei drohender Zahlungsunfähigkeit und bei kurzfristig abgewendeter Zahlungsunfähigkeit möglichst nach Tagen planen (aufgrund Dreiwochenfrist bei vorliegenden beziehungsweise unmittelbar vermiedenen Insolvenzantragsgründen und -fristen), im Mindesten für den laufenden und den folgenden Monat (besser für drei Monate), auf jeden Fall nach Wochen planen.
    • Wesentliche Detailpläne sind hierbei unter anderem Gesamtleistung, Materialaufwand, Fremdleistungen, Personal, sonstiger betrieblicher Aufwand, sonstige betriebliche Erträge, Einkommens-, Ertragssteuern,
  • Bilanzplanung (Vermögens- und Schuldenplanung) erstellen,
  • Investitionsplanung erstellen, Plan-Afa berechnen,
  • Finanzierungsplanung erstellen mit Planzinsen für Ertragsplanung (GuV), Plantilgungen für Liquiditätsplanung,
  • für die Gespräche mit Finanzierern ist ein Vergleich der bisherigen Finanzierungsart, -konditionen und neuer, möglicher Finanzierungsszenarien meistens notwendig und zu erstellen, unter anderem um die Durchfinanzierung transparent zu machen, dazu
    • ein Finanzierungsszenario mit Finanzierern abstimmen, auswählen,
    • Bankenspiegel um Finanzierungsszenario ergänzen, Kapitaldienst nach dem ausgewählten Finanzierungsszenario planen,
  • Liquiditätsplanung (Liquiditätsplan, Finanzplan) erstellen.

Praxis-Tipp: Zu Grunde liegenden Prämissen müssen plausibel, nachvollziehbar, überprüfbar sein. Sorgfältig dokumentieren!

Im besten Fall die integrierte Finanzplanung durch eine Cashflow-, Kapitalflussplanung ergänzen.

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Foto von Peter Hauk, Ansprechpartner für Liquiditätsplanungen bei TWI

Ansprechpartner

Peter Hauk
Inhaber, Geschäftsführer
TWI Management Projekte GmbH, Starnberg

Telefon: 08151 / 44 666-0
E-Mail: info@twi-mp.de

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