Finanzkennzahlen

Warum verwenden Banken Finanzkennzahlen in Kreditverträgen für Unternehmen?

Finanzkennzahlen in Kreditverträgen von Unternehmen dienen der Risikofrüherkennung. Sie sind vertragliche Nebenabreden 1, die sich auf finanzielle Ereignisse, Bedingungen beziehen, bei deren Eintritt unterschiedliche Rechtsfolgen möglich sind 2.

Finanzkennzahlen von Unternehmen sind Kennzahlen zur

  • Kapitalstruktur (Eigenkapital),
  • Verschuldung,
  • Ertragslage,
  • Liquidität,
  • Vermögenslage

eines Unternehmens.

Kreditinstitute vereinbaren mit Kreditnehmern bestimmte, relative Kennzahlen (Verhältniskennzahlen), die aus Bilanz, Gewinn-, Verlustrechnung oder als Kombination aus beiden Informationsquellen ableitbar sind 3. Absolute Kennzahlen, wie beispielsweise die Eigenkapitalausstattung, sind in Kreditverträgen ebenfalls möglich.

Welche Folgen hat der Bruch von Finanzkennzahlen für Unternehmen?

Kreditgeber setzen Kennzahlen zur Risikofrüherkennung ein, die die Möglichkeit zum risikoadäquaten Bepreisen bestehender Kreditverhältnissen eröffnen, ein frühzeitiges Einfordern einer Nachbesicherung in Aussicht stellen 4. Ein Kreditnehmer der „Covenants bricht“, „reißt“, kreditvertraglich vereinbarte Kennzahlenwerte nicht einhält, damit gegen den Kreditvertrag verstößt, hat nach seinen kreditvertraglichen Vereinbarungen, den Umständen des Einzelfalls, mit folgenden Konsequenzen des Kreditgebers zu rechnen:

  • Anpassung Kreditvertrag zu Gunsten Kreditgeber (Zinssatzerhöhung, Stellen weiterer Sicherheiten, Einfordern weiteren Eigenkapitals, Verzichtsgebühr (Waifer-Fee) als Vergütung für temporäres Verzichten auf Kündigung, Zwangsvollstreckung, Sicherheitenverwertung trotz erfüllter Kündigungs-, Vollstreckungsvoraussetzungen) als Reaktion auf erhöhte Risikosituation,
  • Kündigung Kreditvertrag.

Welche Finanzkennzahlen zum Controlling von Unternehmen werden in Sanierungsgutachten verwendet?

In TWI Sanierungsgutachten verwendete, relevante Kennzahlen sind in erster Linie Kennzahlen, die in Kreditverträgen als „Financial Covenants“ verwendet werden, wie zum Beispiel

  • Nettoverschuldungsgrad (Net Debt to EBITDA, leverage ratio),
  • Dynamischer Verschuldungsgrad beziehungsweise Schuldentilgungsdauer (dynamic gearing ratio),
  • Zinsdeckungsgrad (interest coverage ratio) mit EBIT, EBITDA,
  • Liquidität 3. Grads (current ratio),
  • Liquidität 2. Grads (quick ratio),
  • Bereinigtes Nettoumlaufvermögen (working capital).

Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland IDW bezeichnet relevante Finanzkennzahlen für Unternehmen als „Schlüsselfinanzkennzahlen“ 5.

Darüber hinaus verwendet TWI in Sanierungsgutachten weitere Kennzahlen, wie zum Beispiel

  • Liquiditätskennzahlen,
  • Kapitaldienstdeckungsgrade.

Welche Finanzkennzahlen zum Controlling der Ertragslage von Unternehmen werden in Sanierungsgutachten verwendet?

Wichtigste Kennzahlen, die TWI in Sanierungsgutachten zum Controlling der Ertragslage von Unternehmen verwendet, sind:

  • Ergebnis auf langfristig eingesetztes Kapital (return on capital employed, ROCE),
  • Gesamtkapitalrentabilität (return on assets),
  • Eigenkapitalrendite (return on equity),
  • Umsatzrentabilität (return on sales),
  • Materialquote (materials ratio),
  • Rohertragsmarge (Bruttogewinnspanne; gross profit margin),
  • Personalquote (personnel ratio, staff ratio),
  • Afa-Quote (Abschreibungsquote; depreciation ratio),
  • EBITDA-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen; earnings before interest, taxes, depreciation, amortization; EBITDA margin),
  • EBIT-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern; earnings before interest, taxes; EBIT margin),
  • EBT-Marge (Gewinn vor Steuern, earnings befort taxes; EBT margin).

Welche Finanzkennzahlen zum Controlling der Vermögenslage von Unternehmen werden in Sanierungsgutachten verwendet?

Wichtigste Kennzahlen, die TWI in Sanierungsgutachten zum Controlling der Vermögenslage von Unternehmen verwendet, sind:

  • Langfristig eingesetztes Kapital (capital employed, CE),
  • Eigenkapitalquote (equity ratio, ER),
  • Anlagendeckung (asset coverage),
  • Forderungsreichweite (DSO),
  • Bestandsreichweite (DIO),
  • Verbindlichkeitenreichweite (DPO),
  • Inkassodauer (Forderungsreichweite DSO + Bestandsreichweite DIO – Verbindlichkeitenreichweite DPO).

Welche Finanzkennzahlen von Unternehmen sind Schlüsselfinanzkennzahlen des Controllings?

Ungünstige Schlüsselfinanzkennzahlen zählen laut Standesvertretung Wirtschaftsprüfer (IDW) in deren Prüfungshinweisen über die Beurteilung der Fortführung der Unternehmenstätigkeit im Rahmen der Abschlussprüfung zu den tatsächlichen, finanzwirtschaftlichen Gegebenheiten, die nach dem Umständen des Einzelfalls Zweifel an der Fähigkeit zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen. Im Einzelnen:

  • im IDW PS 270, Stand 09.09.2010, gültig für Abschlüsse der Berichtszeiträume bis 14.12.2017, TZ 11, Strich 6 Ungünstige finanzielle Schlüsselkennzahlen,
  • im IDW PS 270 n. F., Stand 11.07.2018, gültig für Abschlüsse der Berichtszeiträume ab 15.12.2017, A5, Punkt 6 Ungünstige Schlüsselfinanzkennzahlen.

Laut dem für den IDW PS 270 n. F. zuständigen Fachreferat 5 sind dies relevante Finanzkennzahlen, die typischerweise in Lageberichten von Unternehmen, zusammen mit Jahresabschluss (Bilanz, Gewinn-, Verlustrechnung, Anhang), als Nebenabreden in Kreditverträgen (Financial Covenants) verwendet werden.

Welches sind die Schlüsselfinanzkennzahlen unter den Finanzkennzahlen zum Controlling der Kapitalstruktur?

Die Schlüsselfinanzkennzahlen zum Controlling der Kapitalstruktur von Unternehmen sind:

  • Eigenkapitalquote (equity ratio),
  • Mindesteigenkapitalausstattung (net worth requirement, minimum tangible net worth).

Dazu Auszug aus der TWI-Liste 24 Schlüsselfinanzkennzahlen von Unternehmen:

Kennzahlenbeispiel – Eigenkapitalquote:

Berechnung:

    • bilanzielles Eigenkapital / Bilanzsumme (Gesamtkapital) x 100
    • genauer: wirtschaftliches Eigenkapital (bereinigt) / Bilanzsumme (Gesamtkapital) x 100

Die EK-Quote stellt den relativen Mindestwert in Prozent dar, den das (wirtschaftliche) Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme (Gesamtkapital) nicht unterschreiten darf. Je höher der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme, desto

    • niedriger das Gläubigerrisiko,
    • niedriger die Verschuldung,
    • niedriger die Zinslast,
    • schwächer die Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern,
    • höher die Bonität,
    • kreditwürdiger (fähiger, Fremdkapital aufzunehmen),
    • höher die Haftungsmasse,
    • höher die finanzielle Stabilität,
    • solider die Unternehmensfinanzierung

und jeweils umgekehrt.

Finanzierungspartner wollen über Festlegung dieser Kennzahl im Kreditvertrag:

    • ihr Kreditrisiko begrenzen,
    • im Zeitablauf eine progressive Entwicklung sicherstellen 6,
    • erwartete operative Verbesserungen verfolgen,
    • Ausschüttungen, Entnahmen einschränken (Mindestgrenze als Ausschüttungssperre) 6,
    • Kapitalrückzahlung sicherstellen.

Wirtschaftliches Eigenkapital sind Eigenmittel, die dem Unternehmen tatsächlich zur Verfügung stehen. Zur Kennzahlenberechnung wird das bilanzielle Eigenkapital korrigiert. Beispielsweise werden

    • abgezogen: ausstehende Kapitalzahlungen, entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände, Forderungen gegen (nicht persönlich haftende) Gesellschafter, Gesellschafterdarlehen, ein Teil der Sonderposten mit Rücklageanteil;
    • hinzugezählt: Verbindlichkeiten gegen (nicht persönlich haftende) Gesellschafter, eigenkapitalersetzende Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt, Mezzaninekapital.

Weitere, mögliche Abzüge, Zurechnungen siehe Anlage Kennzahlenberechnung TWI-Liste 24 Schlüsselfinanzkennzahlen von Unternehmen.

Kennzahlenbeispiel: Mindesteigenkapitalausstattung

Berechnung:

    • bilanzielles Eigenkapital
    • besser: wirtschaftliches Eigenkapital (bereinigt).

Die Mindesteigenkapitalausstattung stellt den absoluten Mindestbetrag X an Eigenkapital (je definierter Periode) dar, der nicht unterschritten werden darf. Die Mindesteigenkapitalausstattungwird in der Regel so bemessen, dass im Falle der Veräußerung der Aktiva zu Liquidations-, Zerschlagungswerten eine Rückzahlung der ausgereichten Kredite noch möglich ist; der tatsächliche Istwert der Aktiva ist meistens (deutlich) höher als der Buchwert der Aktiva 7. Mit Bemessung der Mindesteigenkapitalausstattung will der Kapitalgebende die Rückzahlung seines Kapitals schützen, unter anderem durch genügenden EK-Puffer.

Die Mindesteigenkapitalausstattung genügt, wenn

    • Fremdkapitalgeber innerhalb der Verschuldungskapazität kreditieren,
    • etwaige (wirtschaftliche) nachrangige Fremdkapitalgeber im Rahmen der Verschuldungsgrenze kreditieren 8 9.

Hinweis: Aussagen, Zielsetzungen Kreditgeber analog oben genannter EK-Quote.

Welches sind die Schlüsselfinanzkennzahlen unter den Finanzkennzahlen zum Controlling der Verschuldung?

Die Schlüsselfinanzkennzahlen zum Controlling der Verschuldungssituation von Unternehmen (Schuldenkennzahlen) sind:

  • Maximale Nettoverschuldung (Total Net Debt, ND),
  • Nettoverschuldungsgrad, Nettoverschuldungsquote (Net Debt to EBITDA, leverage ratio),
  • Verschuldungsgrad (statisch), Nettoverschuldung (debt to equity ratio, gearing ratio, financial gearing),
  • Dynamischer Verschuldungsgrad beziehungsweise Schuldentilgungsdauer (dynamic gearing ratio),
  • Dynamischer Verschuldungsgrad effektiv beziehungsweise effektive Schuldentilgungsdauer.

Kennzahlenbeispiel Schuldenkennzahlen: Nettoverschuldungsgrad (Net Debt to EBITDA, leverage ratio)

Berechnung:

    • (zinstragende Verbindlichkeiten ./. liquide Mittel + Äquivalente) / EBITDA

Stellt kurz-, langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten abzüglich liquider Mittel und Äquivalente (schnell liquidierbare Aktiva) ins Verhältnis zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen, also der Ertragskraft.

Kennzahl zeigt, die

    • theoretische Entschuldungsdauer, wie viel Jahre es (theoretisch) dauern würde, um die gegenwärtigen Nettoverbindlichkeiten (tatsächliche Schulden) zurückzuzahlen unter Annahme, dass Nettoverschuldung, EBITDA konstant sind,
    • Fähigkeit des Unternehmens, den Schuldendienst (vor Investitionen) zu erbringen.

Je höher die Nettoverschuldungsquote, desto länger dauert die Rückzahlung der Nettoverbindlichkeiten. Je geringer die Nettoverschuldungsquote, desto eher können bei einer Veräußerung des Unternehmens die gewährten Darlehen aus dem Veräußerungserlös zurückgeführt werden 10.

Kapitalgebende Finanzierungspartner wollen über Festlegung dieser Kennzahl im Kreditvertrag:

    • einen ersten Eindruck über die Kapitalausstattung, die Ertragskraft erhalten,
    • die Finanzverschuldung bei Unternehmensfortführung (Going Concern) ermitteln, darlegen,
    • die Soll-Entwicklung der finanziellen Gesamtsituation vereinbaren, tracken.

Interpretation Kennzahl je nach Umständen des Einzelfalls, abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Geschäftstätigkeit: Kennzahlenwerte

    • kleiner 1 x sehr gut,
    • zwischen 2 x und 2,5 x akzeptabel,
    • ab 3 x sind je nach Branche bereits kritisch,
    • liegen in Sanierungsfällen meistens zwischen 4 x und 6 x,
    • über 8 x höchstwahrscheinlich keine Tilgung möglich.

Kennzahlenbeispiel: Dynamischer Verschuldungsgrad beziehungsweise Schuldentilgungsdauer

Berechnung:

    • Fremdkapital / Operativer Cash Flow (OPC) x 100 Prozent

Kennzahl zeigt,

    • die Verschuldung zu Zahlungsströmen einer Periode,
    • in wieviel Geschäftsjahren sich das Unternehmen entschulden kann, wenn der jeweils erzielte Cash Flow zur Schuldentilgung verwendet wird (und der Cash Flow konstant bleibt).

Je geringer der dynamische Verschuldungsgrad, desto

    • eher ist das Unternehmen im Stande Kredite zurückzuführen,
    • höher ist die Kreditwürdigkeit beziehungsweise Solvenz,
    • schneller stehen dem Unternehmen liquide Mittel für Investitionen zur Verfügung.

Je höher der dynamische Verschuldungsgrad, desto unsicherer die Fortführung der Unternehmenstätigkeit.

Interpretation Kennzahl je nach Umständen des Einzelfalls, abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Geschäftstätigkeit: Kennzahlenwerte

    • von 2 Jahren sind gut,
    • ab 5 Jahren sind kritisch.

Negative Kennzahlenwerte aufgrund negativen Cashflows über mehrere Perioden können ein Hinweis auf eine drohende Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Insolvenzgefahr, Insolvenzreife sein.

Der dynamische Verschuldungsgrad (in Jahren oder Prozent angegeben) findet aufgrund hoher Sensitivität vor allem bei Zinsgleitklauseln Anwendung.

Dabei zeigt der operative Cashflow als Beurteilungsgröße für Finanzkraft (Investitionen, Schuldentilgung, Gewinnausschüttung ohne Rückgriff auf dritte Geldgeber) wie weit das Unternehmen seine Liquiditätsposition auf dem laufenden betrieblichen Geschehen bewirken kann.

Alternative Berechnungsformel des dynamischen Verschuldungsgrads:

    • Nettoverschuldung / Free Cashflow

Der Free Cashflow berechnet sich dabei wie folgt:

    • Operativer Cashflow
      + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Anlagevermögen
      ./. Auszahlungen für Investitionen in das Anlagevermögen (= Cash flow aus Investitionstätigkeiten (ICF)
      + Einlagen
      ./. Entnahmen

In diesem Fall sind bei produzierenden Unternehmen

    • Werte von 4 und 5 Jahren gut,
    • Werte ab 10 Jahren kritisch.

Welches sind die Schlüsselfinanzkennzahlen unter den Finanzkennzahlen zum Controlling der Ertragslage?

Die Schlüsselfinanzkennzahlen zum Controlling der Ertragslage von Unternehmen sind:

  • Zinsdeckungsgrad 1 (mit EBIT), Zinslastdeckungsgrad, Zinsdeckungsquote, Zinslastquote (interest coverage ratio, interest cover, interest coverage times, interested earned),
  • Zinsdeckungsgrad 2 (mit EBITDA), wie Zinsdeckungsgrad 1, statt mit EBIT mit EBITDA (EBITDA interest coverage),
  • Schuldendienstdeckungsgrad (aus EBITDA), Kapitaldienstdeckungsgrad (debt service cover ratio, DSCR),
  • Schuldendienstdeckungsgrad (aus Cash flow), ebenfalls Kapitaldienstdeckungsgrad (cash flow cover ratio) genannt.

Kennzahlenbeispiel: Zinsdeckungsgrad 2

Berechnung:

    • EBITDA / Zinsaufwand

Die Kennzahl zeigt, inwieweit die erforderlichen, laufenden Zinszahlungen aus dem operativen Geschäft beziehungsweise operativen Ergebnis bedient, gewährleistet werden können. Die Kennzahl stellt somit die Untergrenze für den Schuldendienst dar.

Je höher der Zinsdeckungsgrad, desto einfacher können Zinszahlungen aus dem operativen Geschäft bedient werden, desto wahrscheinlicher ist die Fremdkapitalrückführung (und andersrum), desto stabiler ist die finanz-, leistungswirtschaftliche Lage des Unternehmens.

Ein Darlehensnehmer, dessen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Afa, Amortisationen seine Zinsverpflichtungen nicht in erheblichen Teilen übersteigt, fehlen auf Dauer die Finanzmittel zur Tilgung seiner Verbindlichkeiten, sowie zur Vornahme notwendiger Investitionen, die seine Konkurrenzfähigkeit gewährleisten 11.

Interpretation Kennzahl je nach Umständen des Einzelfalls, abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Geschäftstätigkeit:

    • Ein hoher Kennzahlenwert deutet darauf hin, dass die Zinszahlungen sicher geleistet werden können.
    • Beispiel: Bei Kennzahlenwert 2 könnte das Unternehmen (theoretisch) zweimal pro Jahr seine Zinszahlungen leisten.

Kennzahlenbeispiel: Schuldendienstdeckungsgrad

(1) Abgeleitet aus EBITDA:

Berechnung:

    • EBITDA / Schuldendienst (Kapitaldienst)

Kennzahl zeigt, inwiefern Zins-, Tilgungszahlungen aus operativen Erträgen erbracht werden können (Kapitaldienstfähigkeit).

Zielsetzung der Kapitalgeber über die Festlegung dieser Kennzahl im Kreditvertrag:

    • Kapitaldienst sicherstellen,
    • Unternehmensfortbestand überwachen,
    • Risiken früh erkennen.

Interpretierung Kennzahl je nach Umständen des Einzelfalls, abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Geschäftstätigkeit:

Zur Sicherstellung des Kapitaldienst muss der Wert mindestens 1 oder größer sein. Kritisch ist, wenn der Kennzahlenwert dauerhaft 50 Prozent des Quotienten aus (operativem) Cashflow / EBITDA übersteigt, also der (operative) Cashflow das Zweifache des Schuldendienstes unterschreitet. Dies ist ein wesentliches Zeichen dafür, dass sich das Unternehmen in einer Krise befindet.

Diese Kennzahl wird eher verwendet, als der Zinsdeckungsgrad.

(2) Abgeleitet aus Cashflow:

Berechnung:

    • (operativer) Cashflow / Schuldendienst (Kapitaldienst)

Die Kennzahl stellt das Verhältnis des innerhalb eines bestimmten festgelegten Zeitraums erwirtschafteten Cashflows zum innerhalb desselben Zeitraums zu erbringenden Schuldendienst (Kapitaldienst) dar, das einen bestimmten Betrag nicht unterschreiten darf 12.

Die Kennzahl zeigt, inwiefern aus (operativem) Cashflow Zins-, Tilgungszahlungen erbracht werden können. Sie ist ein Maß für die Zins-, Tilgungsdienstfähigkeit.

Kapitalgeber wollen über Festlegung dieser Kennzahl im Kreditvertrag:

    • die Liquiditätssituation bewerten,
    • den Kapitaldienst sicherstellen,
    • den Unternehmensfortbestand überwachen,
    • mögliche Risiken früh feststellen.

Interpretierung Kennzahl je nach Umständen des Einzelfalls, abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Geschäftstätigkeit:

Um den Kapitaldienst sicherzustellen, muss der Wert mindestens 1 oder größer sein.

    • Vorgeschrieben werden meist Werte von 1,1 bis 1,5.
    • Wenn der Wert kleiner 1 ist, ist eine Zuführung von Eigenkapital notwendig, um die Abhängigkeit von Gläubigern zu reduzieren.
    • Nationale Projektfinanzierungen haben meist mindestens einen Wert von 1,2.
    • Internationale Projektfinanzierungen Werte von 1,3 bis 1,5 7.

Eigenkapitalstarke Unternehmen haben einen günstigen Schuldendienstdeckungsgrad. Der Schuldendienstdeckungsgrad wird vor allem bei Projektfinanzierungen, Immobilienfinanzierungen eingesetzt.

Welches sind die Schlüsselfinanzkennzahlen unter den Finanzkennzahlen zum Controlling der Liquidität?

Die Schlüsselfinanzkennzahlen zum Controlling der Liquiditätssituation von Unternehmen sind die drei Liquiditätskennzahlen:

  • Liquidität 3. Grades – Liquiditätsgrad 3 (current ratio, CR),
  • Liquidität 2. Grades – Liquiditätsgrad 2, Einzugsliquidität EL (quick ratio, QR; acid test ratio, ATR),
  • Liquidität 1. Grades – Liquiditätsgrad 1, Kasse-, Barliquidität (cash ratio),

sowie die Finanzkennzahlen

  • Bereinigtes Nettoumlaufvermögen (working capital),
  • Net Working Capital (NWC),
  • Forderungsreichweite, Debitorenlaufzeit, Debitorenziel Debitoren (days sales outstanding, DSO),
  • Verbindlichkeitenreichweite, Kreditorenlaufzeit, Kreditorenziel Kreditoren (days payables outstanding, DPO),
  • Bestandsreichweite, Lagerdauer, Vorratsreichweite (days inventory outstanding, DIO),
  • Inkassodauer, Geldumschlagsdauer (cash conversion cycle, days of working capital, DWC),
  • Investitionslimit, Maximal Investitionssumme (capex limit, capital expenditure limit).

Kennzahlenbeispiel Liquiditätskennzahlen: Liquidität 3. Grades

Berechnung:

    • (Flüssige Mittel + Wertpapiere + kurzfristige Forderungen + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100
      = kurzfristiges Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100

Kurzfristige Mittel müssen kurzfristige Verbindlichkeiten um einen bestimmten Anteil überschreiten. Die Kennzahl zeigt,

    • zu welchem Anteil das kurz-, mittelfristige Fremdkapital durch das Umlaufvermögen gedeckt ist, sowie
    • die Verwendbarkeit von flüssigen Mitteln und kurzfristig veräußerbarem Umlaufvermögen zur Tilgung kurzfristiger Verbindlichkeiten.

Kreditgeber gehen meistens davon aus, dass die Zahlungsfähigkeit gesichert ist, wenn das kurzfristig gebundene Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigt, zumindest deckt und in diesem Fall
(ausreichend) profitabel gewirtschaftet wird,
(ausreichend) flüssige Mittel zur Begleichung kurzfristig fällig werdender Verbindlichkeiten vorhanden sind,
fällige kurzfristige Zahlungsverpflichtungen (jederzeit) erfüllt werden können,
das Unternehmen so weit wie möglich vor Zahlungsunfähigkeit geschützt wird.

Das Unternehmen soll damit auch an der Finanzierung langfristiger Investitionen in Anlagegüter auf kurzfristiger Grundlage gehindert werden 13.

Interpretierung Kennzahl je nach Umständen des Einzelfalls, abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Geschäftstätigkeit:

    • Zielkorridor liegt durchschnittlich zwischen 120 Prozent und 150 Prozent, teilweise bis 170 Prozent.
    • Ein Kennzahlenwert kleiner 100 Prozent bedeutet, dass
      gegebenenfalls ein Teil des Anlagenvermögens zur Deckung des Liquiditätsbedarfs verkauft werden muss,
    • wegen eiserner Bestände, Bodensatz an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegebenenfalls ein hoher Zielwert entsprechend des Zielkorridors zu fordern ist.

Finanzierungspartner nehmen im Kennzahl-Fall kleiner 100 Prozent an:

    • Probleme bei der Preisgestaltung,
    • Fertigfabrikate-Bestand zu hoch, zu viele Produkte auf Lager die (noch) nicht verkauft werden konnten, Kapital binden,
    • Teil des langfristigen Anlagevermögens wurde kurzfristig finanziert.

Bei Kennzahlenwerten über 150 Prozent gehen Finanzierer davon aus, dass gegebenenfalls überhöhte Lagerhaltung vorliegt, die zu viel Kapital bindet, eine niedrige Rendite ergibt.

Kennzahlenbeispiel: Bereinigtes Nettoumlaufvermögen (BNUV)

Berechnung:

    • Umlaufvermögen ./. Liquide Mittel ./. kurzfristige, nicht-zinstragende Verbindlichkeiten

Dabei kurzfristige, nicht-zinstragende Verbindlichkeiten (bereinigtes Kurzfristkapital):

    • Kurzfristige Fremdkapital ./. kurzfristige zinstragenden Verbindlichkeiten ./. kurzfristige Verbindlichkeiten aus mittelfristigen und kurzfristigen zinstragenden Verbindlichkeiten.

Die Kennzahl zeigt,

    • den aus externen Quellen zur Finanzierung anstehenden Anteil des UVs 14,
    • die Höhe des mittelfristig und langfristig im Unternehmen gebundenen UVs 14,
    • etwaige Refinanzierungsrisiken durch Fristeninkongruenzen in der Finanzierungsstruktur 14.

Die Kennzahl beschreibt den Umlaufvermögensanteil, der für das Unternehmen arbeitet (das heißt Umsätze generiert) ohne im engern Sinne Kapitalkosten zu verursachen. Je höher das Working Capital, desto besser die Liquiditätssituation. Bei einem negativen Working Capital erfolgt die Finanzierung der Umsätze gegebenenfalls komplett durch die Lieferanten 15.

Kennzahlenbeispiel: Net Working Capital (NWC)

Die Kennzahl Berechnet sich wie folgt:

    • Vorräte + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen + geleistete Anzahlungen ./. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ./. erhaltene Anzahlungen.

Ziel von Kreditinstituten, Finanzierungspartnern, Investoren ist die Reduzierung des Net Working Capital, um

    • zusätzliche Liquidität zu generieren,
    • Kreditlinienerhöhungen zu vermeiden,
    • zusätzliche Investitionen zu ermöglichen,
    • Zinsertrag zu erhöhen beziehungsweise Zinsaufwand zu verringern,
    • die Bilanz zu straffen, dadurch die Eigenkapitalquote zu erhöhen.

Welches sind die Schlüsselfinanzkennzahlen unter den Finanzkennzahlen zum Controlling der Vermögenslage?

Die Schlüsselfinanzkennzahlen zur Überwachung der Vermögenslage von Unternehmen sind die Anlagendeckungsgrade

  • I, Anlagen-Deckungsgrad A, Kapitaldeckung,
  • II, Anlagen-Deckungsgrad B, Kapitaldeckung,
  • III, Anlagen-Deckungsgrad C, Erweiterte Anlagendeckung.

TWI-Liste 24 Schlüsselfinanzkennzahlen von Unternehmen

TWI hat die IDW-Formulierungen „Ungünstige finanzielle Schlüsselkennzahlen“ im Prüfungsstandard IDW PS 270 (Stand 09.09.2010) 16 und „Ungünstige Schlüsselfinanzkennzahlen“ im Prüfungsstandard IDW PS 270 n. F. (Stand 11.07.2018) 17 zum Anlass genommen,

  • die am meisten in Kreditverträgen verwendeten 24 Schlüsselfinanzkennzahlen,
  • ihre Berechnungsformel,
  • das was sie darstellen beziehungsweise zeigen,
  • ihre Aussage,
  • gegebenenfalls die Ziele der Kreditgeber mit dieser Kennzahl,
  • relevante Bemerkungen zu diesen wichtigsten Kennzahlen,

in einer 14-seitigen TWI-Liste 24 Schlüsselfinanzkennzahlen übersichtlich beschrieben.

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  • Aktivitätskennzahlen (Working Capital): Debitorenlaufzeit, Kreditorenlaufzeit, Lagerdauer, Kapitalumschlag (Total asset turnover), Umschlagshäufigkeit Working Capital (Working Capital turnover),
  • Liquiditätskennzahlen: Liquidität 3. Grads (current ratio, CR), 2. Grads (Einzugsliquidität, quick ratio, QR beziehungsweise acid test ratio, ATR), 1. Grads (Kasse-, Barliquidität, cash ratio), Geldumschlagsdauer (Cash conversion cycle),
  • Stabilitätskennzahlen: (dynam.) Verschuldungsgrad (Schuldentilgungdauer, dynamic gearing ratio), EK-Quote (equity ratio), Zinsdeckungsgrad (interest coverage ratio), Nettoverschuldungsquote (Net debt to EBITDA ratio),
  • Ertragskennzahlen, Rentabilitätskennzahlen: Nettoumsatzrendite, Umsatzrendite, Bruttogewinnmarge, operative Gewinnmarge (EBIT-Marge), Vorsteuermarge (EBT-Marge), Gesamtkapitalrendite, Kapitalrendite (return on capital employed, ROCE), Eigenkapitalrendite (return on equity, ROE),
  • Leistungskennzahlen, Leistungsindikatoren (Key Performance Indicators, KPI),
  • Ermittlung, Bewertung Branchenkennzahlen,
  • Berichterstattung (Erstellen Reporting), Dokumentation,
  • Sicherstellung Zahlungsfähigkeit, Kostenreduzierung,
  • Optimierung, Neuausrichtung Führung, Organisation, Prozesse, Systeme,
  • Aufbau Deckungsbeitragsrechnung, integrierte Finanzplanung, Kapitalflussrechnung.
Beispiel für betriebliche Kennzahlen

hier: kudenspezifische Auftragsfertigung, -montage

  • Kennzahlen Vertrieb: Auftragseingang, Auftragsbestand, Marge fakturierte Aufträge, Marge Auftragseingang, Differenz Vorkalkulation ./. Nachkalkulation, Lagerentwicklung, Entwicklung Forderungsreichweite.
  • Kennzahlen Konstruktion: Produktivität (Stunden Entwicklung / Stunden Gesamt; Stunden Aufträge / Stunden Gesamt), Bearbeitung Änderungen (abgearbeitete zu eingesteuerten Änderungen), Anzahl Änderungen nach Produktionsbeginn, Stücklistenqualität (Anzahl Korrekturen in Stücklisten in der Montage und Rücklagerungen).
  • Kennzahlen Einkauf: Einsparung Plan / Ist, Liefertreue Zulieferer intern, Liefertreue Zulieferer extern, Anlieferqualität interne Zulieferer (Mängelberichte), Anlieferqualität externe Zulieferer (Mängelberichte).
  • Kennzahlen Materialwirtschaft, Logistik: Umschlagsdauer (Lagerwert, Kapitalbindung), Lagerbestand, Auslieferungsgrad, Teileverfügbarkeit / Fehlteile, Wertminderungen auf Vorratsvermögen / Verschrottung, Lagerrückbuchungen.
  • Kennzahlen Produktion: Produktivität (unter anderem: rückgemeldete Stunden / Anwesenheit), Output (produzierte Stück / Zeiteinheit)
  • Kennzahlen Montage: Produktivität, Verschiebungen, Qualität, Output, Lagerentwicklung.
  • Kennzahlen Service: Profitabilität Serviceaufträge (Deckungsbeitrag je Serviceauftrag).
  • Kennzahlen Ersatzteile: Ersatzteil-Volumen, Entwicklung Ersatzteil-Marge, Auslieferungsgrad (Auslieferung versus Wunschtermin), Umschlagsdauer (Lagerwert, Kapitalbindung).
  • Kennzahlen Qualität: Falsch-, Fehlteile pro Auftrag pro Quality Gate.
  • Kennzahlen Organisation, Personal: Fluktuation, Krankenstand, Langzeitkranke, Entwicklung Zeitkonten.

TWI führt keine Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Rechtsberatung durch. Mandanten nutzen dazu TWI-Netzwerk aus

  • Steuerberatern, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften: steuerliche Fragen, Beratung zu Steuern, Rechnungswesen, Buchhaltung, Betriebsabrechnungsbogen BAB, Rechnungslegung, Bilanzierung, Bilanz, Jahresabschluss, Jahresabschlussanalyse, Konzernabschluss, Konzernergebnis, Wertberichtigungen, stillen Reserven, Unternehmensbewertung, Unternehmenswert.
  • Rechtsanwälten, Fachanwälten für Insolvenzrecht, Insolvenzverwaltern: juristische Beratung, Auslegung Gesetze, gesetzliche Rahmenbedingungen Insolvenzordnung, Insolvenzverfahren (Regelinsolvenzverfahren, Insolvenzplanverfahren, Schutzschirmverfahren, Eigenverwaltung), Anfechtung Rechtshandlungen, juristische Klärung Haftung, Schadenersatz.
  • Rechtsanwälten, Fachanwälten für rechtliche Beratung bei Arbeitsrecht, Steuerrecht, Gesellschaftsrecht, Handelsrecht.

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Foto von Peter Hauk, Ansprechpartner für Finanzkennzahlen bei TWI

Ansprechpartner

Peter Hauk
Inhaber, Geschäftsführer
TWI Management Projekte GmbH, Starnberg

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